Geschäftsstelle 015140142536

Lawrow: Der Westen hat von Selenskij "die Nase voll"

2023-10-17 08:01
von Thomas

Im Westen verliert man zunehmend die Geduld mit dem ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij. Das stellte der russische Außenminister Sergei Lawrow bei einem Treffen mit dem russischen Präsidentenberater Juri Uschakow und dem Kreml-Sprecher Dmitri Peskow fest, über das der Fernsehsender Rossija-1 am Sonntag berichtete.

Alle hätten "die Nase voll" von Selenskij, sagte Lawrow und verwies auf den sichtbar verhaltenen Empfang, den der ukrainische Staatschef kürzlich bei seinem Besuch in Rumänien erhalten hatte. Dem Sender zufolge zitierte der Lawrow demnach wörtlich die rumänische Senatorin Diana Șoșoacă, die vor dem Besuch des ukrainischen Präsidenten in Bukarest in der vergangenen Woche eine wütende Tirade gegen Selenskij verlauten ließ.

Șoșoacă hatte den rumänischen Präsidenten Klaus Johannis aufgefordert, Selenskij, den sie als "arroganten und skrupellosen Verräter, auch gegenüber seinem eigenen Land" bezeichnete, daran zu hindern, vor dem rumänischen Parlament zu sprechen. Die Politikerin warnte außerdem vor "schlimmen" Konsequenzen, sollte sie den ukrainischen Präsidenten im Parlamentsgebäude "erwischen". Empört erklärte Șoșoacă:

"Wir ziehen in den Krieg für Selenskijs Getreide? Verlassen Sie unser Land, gottloser Mann! Wenn Sie glauben, dass wir tatenlos zusehen werden, irren Sie sich!"

Rumänischen Medien zufolge wurde die geplante Rede des ukrainischen Staatschefs vor dem Parlament während seines Besuchs am vergangenen Dienstag dann tatsächlich abgesagt. Auf einer Pressekonferenz an der Seite von Johannis behauptete Selenskij, er habe nie die Absicht gehabt, dort eine Rede zu halten.

Der jüngste Zustrom von billigem ukrainischem Getreide auch in dieses Nachbarland und die von einigen in Rumänien als diskriminierend empfundene Behandlung der rumänischen ethnischen Minderheit in der Ukraine haben die Meinung über Kiew in Rumänien negativ beeinflusst. Am Rande der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Marrakesch räumte der ukrainische Finanzminister Sergei Martschenko am Sonnabend ein, Kiew sei gezwungen, "sich jetzt doppelt so viel Mühe zu geben, um unsere Partner davon zu überzeugen, uns so zu unterstützen wie bei den letzten Jahrestagungen [im Frühjahr]".

Der Beamte führte diesen Trend auf eine "Müdigkeit" der ukrainischen Unterstützer zurück, die jetzt "den Krieg gerne vergessen würden". Der Minister benannte auch die Eskalation zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen sowie die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA als Faktoren, die die Aufmerksamkeit von der Ukraine ablenken würden.

Am Montag wurde außerdem bekannt, dass Selenskij zusammen mit dem US-Außenminister Antony Blinken Israel einen Solidaritätsbesuch abstatten wollte, von israelischer Seite jedoch abgewiesen wurde. Wie das israelische Nachrichtenportal ynetnews unter Berufung auf mit der Anfrage angeblich vertraute Quellen mitteilte, sei Selenskij, der selbst Jude ist, auf seinen Wunsch hin entgegnet worden, dass es "nicht der richtige Zeitpunkt" sei, er aber später kommen könne.

War alles nicht so ernst gemeint – Ex-Pentagon-Beamter erklärt: Ukraine ist kein Verbündeter der USA

Die Ukraine habe nie den Status eines US-Verbündeten besessen, was bedeute, dass man in Washington grundsätzlich nicht verpflichtet sei, das Land zu verteidigen, meint Elbridge Colby, ein früherer Pentagon-Experte für Verteidigungsstrategie. Der ehemalige Beamte, der heute die Denkfabrik "The Marathon Initiative" leitet, stellte die Führung in Kiew auf die gleiche Stufe wie die heute nicht mehr existierende afghanische Regierung, die 2021 von den Taliban gestürzt wurde.

In einer am Sonnabend veröffentlichten Nachricht auf X (ehemals Twitter) schrieb Colby, der von 2017 bis 2018 Stellvertretender Verteidigungsminister für Strategie und Streitkräfteentwicklung war, dass

"... die Ukraine kein Verbündeter war und ist und wir uns nie verpflichtet hatten, sie zu verteidigen."

Er betonte, dass "die Glaubwürdigkeit des US-Bündnisses nicht auf dem Spiel stand", als Russland im vergangenen Februar seine Militäroperation gegen den Nachbarstaat startete.

Colbys Beitrag war eine Reaktion auf die Behauptung eines anderen X-Nutzers, der behauptete, der verpfuschte Rückzug der USA aus Afghanistan habe Russland ermutigt, seine Militäraktion weniger als sechs Monate später zu starten.

In einem früheren Beitrag hatte Colby den Standpunkt verteidigt, das "Debakel des Afghanistan-Abzugs" habe die Glaubwürdigkeit der USA weniger stark beschädigt als manche behaupten. Der ehemalige hochrangige Pentagon-Mitarbeiter führte weiter aus, dass die USA nach wie vor zu ihren eigentlichen Verbündeten in Europa und Asien stünden, während die afghanische Regierung eher entbehrlich sei.

"Unsere Beziehung zu unseren etablierten Verbündeten war eine andere als die zu Afghanistan, und die Bedrohung durch China oder Russland war größer als die durch die Taliban",

schrieb er und fügte hinzu, dass aus diesem Grund "die NATO und unsere Bündnisse in Nordost-Asien nicht zusammengebrochen sind. Und unsere Gegner haben sie auch nicht angegriffen".

Am vergangenen Mittwoch warnte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA John Kirby mit Blick auf die festgefahrene Situation im US-Kongress nach der Absetzung von Kevin McCarthy Anfang des Monats, dass Washington die Hilfe zwar so lange wie möglich aufrechterhalten werde, "aber nicht auf unbegrenzte Zeit".

Eine wachsende Zahl republikanischer Abgeordneter hat sich skeptisch über die Fortsetzung der US-Hilfe für die Ukraine geäußert. Diese Frage war der Hauptgrund für McCarthys Absetzung, da einige Kongressmitglieder der "GOP" – den Republikanern als der "Grand Old Party" – den Verdacht hegten, er habe eine geheime Absprache mit der Regierung von Präsident Joe Biden getroffen, um mehr Mittel für Kiew zu bewilligen.

Eine Anfang des Monats veröffentlichte Meinungsumfrage des Meinungsforschungsinstituts Reuters-Ipsos hatte ergeben, dass die Zahl der US-Amerikaner, die eine Aufstockung der Hilfe für die Ukraine befürworten, auf 41 Prozent gesunken ist, was einem Rückgang um 24 Prozentpunkte gegenüber dem Juni dieses Jahres entspricht. Die Umfrage hatte gezeigt, dass dieser Trend sowohl bei den Anhängern der Demokratischen Partei als auch bei denen der Republikaner zu beobachten war.

Zurück

© All rights reserved Fallschrimjäger-Traditionsverband Ost e.V.