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Tradition heißt nicht die Asche hüten, sondern das Feuer bewahren.

Wenn wir heute von unserer Tradition sprechen, so meinen wir in erster Linie die Zeit unseres militärischen Tätigwerdens, in der wir die uns gestellten Aufgaben, aufopferungsvoll, unter großen Härten, erschwerten Bedingungen und unter Einsatz unseres gesamten geistigen, psychischen und physischen Potentials erfüllt haben. Was es alles galt an Härten zu ertragen um den Frieden zuverlässig zu sichern, ist es wert tradiert zu werden.

Das Erlangen hohen militärischen Wissens, militärischer Fähigkeiten und Fertigkeiten letztendlich versetzten uns in die Lage, jede lüsterne Macht abzuschrecken und im schlimmsten Fall, an der Seite unserer Waffengefährten, jedem eventuellen Gegner mit Waffengewalt Paroli zu bieten.

Diese Erfahrungen allein machen aber unsere Tradition nicht aus. Viel mehr ist es die einstige militärische Aufgabe und gelebte Kameradschaft während der Dienstzeit, gepaart mit den Erkenntnissen von heute. Trotz unterschiedlicher politischer und persönlicher Ansichten und Standpunkte, ohne Ansehen der Person sowie des einstigen Dienstgrades, dessen wir uns (bis ans Ende unseres Lebens) verpflichtet fühlen, eint uns unsere Vergangenheit in der NVA. Für den einen war nach 18 bzw. 36 oder gar mehr Monaten und für den anderen mit der Auflösung der NVA Schluss mit dem militärischen Leben, aber der gestrige Tag, den wir im Kreise von Kameraden und Freunden verbracht haben, der es wert war gelebt zu sein, ist auch das Morgen unserer Tradition nach dem militärischen Dienst für unser Vaterland, die DDR.

Bewahren und geben wir an künftige Generationen das Positive unserer Tradition weiter, aber nicht ohne den warnenden Zeigefinger, die Fehler von einst nicht zu wiederholen, zu erheben.

60 Jahre NVA - 36 Jahre erfolgreicher Kampf zur Erhaltung des Friedens

Nachbetrachtung zu den Feierlichkeiten anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung der NVA und der GT der DDR in Demen am 27. Februar 2016

Ja, es war eine Festveranstaltung und Würdigung mit Nachhaltigkeit, die zu Ehren des 60. Jahrestages der Gründung der NVA in Demen, in der Nähe von Schwerin, stattfand. Von allen Teilnehmern  übereinstimmend bekundet, bleibt es eine historische Wahrheit, dass wir in Deutschland die Einzigen waren, die eine Friedensarmee besaßen. Und es sei angemerkt, diese Politik hat nicht der Kreis Jener initiiert, der lauthals brüllte, "wir sind das Volk". Trotz aller Kritik - diese Politik ging von der Partei- und Staatsführung der DDR aus und befand sich im Einklang mit unseren Bürgern, den Brudervölkern und friedliebenden Menschen auf der ganzen Welt.

Es ist schön, dass sich in Demen soviel Gleichgesinnte zusammen gefunden hatten, die Stolz auf unsere Armee waren und es heute noch sind. Standhafte Kämpfer, heute im fortgeschrittenen Lebensalter oder nicht mehr am Leben, wären gerne dabei gewesen. Auch mir ist es ein Bedürfnis, die Lebensleistung unserer Menschen in der DDR und aller Angehörigen der Schutz- und Sicherheitsorgane der DDR hoch zu halten und zu verteidigen. Ich habe Ehrfurcht vor Jenen, die den Faschismus besiegten und betrachte ohne "Wenn und Aber" den Tag der Befreiung - für mich als Feiertag. Zu würdigen sind allen voran, die Kämpfer und Gefallenen der Roten Armee, die Streiter unserer Vätergeneration und Jene, die das beschützten, was unser Volk schuf.    

Aufgrund des Mainstreams und bei aller berechtigten Kritik gegenüber administrativen Unzulänglichkeiten in der DDR gibt es heute eine Vielzahl verleumderischer und ungerechtfertigter Angriffe. So gegenüber der ehemaligen Partei- und Staatsführung, zu unseren früheren Bündnissen und gegenüber vielen  Menschen im Land. Auch gegenüber und zwischen ehemaligen Angehörigen der einzelnen Schutz- und Sicherheitsorgane gibt es abwertende Meinungen, - zum großen Teil aus Unkenntnis über deren Arbeitsinhalte und Erfolge und weil eine unverhohlen vorgetragene Hetz- und Lügenpropaganda ihre Wirkung nicht verfehlte. Gut beraten wäre der "Rechtsstaat", wenn man die ehernen Grundsätze "Präsumtion der Unschuld" und "Man höre beide Seiten" befolgen würde.

Lügengeschichten und Diffamierungen der DDR haben heute noch ihre angestrebte Wirkung. Die Legende von der Pleite der DDR vertuscht die tatsächlichen Außenhandelsbilanzen und Verschuldungen beider deutscher Staaten (siehe heutige BRD-Veröffentlichungen). Die angebliche flächendeckende Überwachung unseres Staatsvolkes ist schon durch einfaches Kopfrechnen widerlegbar. Die Masse der Flüchtlinge aus der DDR waren nach Aussagen von DGB- Pagel aus Westberlin nachweislich Wirtschaftsflüchtlinge und Diejenigen, die man mit lukrativen Angeboten abwarb, waren in der Regel hochintelligente Spezialisten, die der BRD zum Nutzen und der DDR zum Schaden gereichten. Ein krimineller Schleuser zwischen Ost und West bekam erst kürzlich das Bundesverdienstkreuz, Denjenigen, die Menschen aus Todeszonen mit Gefahr für Leben und Gesundheit nach Europa bringen, drohen Haftstrafen. Eine doppelbödige Moral, wenngleich auch die heutigen Schleuser wegen ihres Geschäftsgebarens kriminell sind.

Allen bekannt, dass das MfS immer im Kreuzfeuer und Mittelpunkt der Angriffe stand und steht. Dessen Angehörige befanden sich wegen der Angriffe von außen - aber auch durch staatsgefährdende Aktivitäten von DDR-Bürgern – seit seinem Bestehen im ständigen Kampfeinsatz. Ich erinnere mich, wie man auch nach der „Wende“ davon sprach, dass die Angehörigen der NVA und der Grenztruppen auf einem falschen Pferd gesessen hätten und in den Medien wurde von der berüchtigten Deutschen Volkspolizei gesprochen. Die Zollverwaltung der DDR wurde in Misskredit gebracht, obwohl sie durch die Kontrolle des Warenverkehrs massive Schädigungen unterband und zu sprechen ist auch von der Diskreditierung der "Bildung im Sozialismus", von der Missgunst gegenüber dem Gesundheitswesen, dem Verächtlichmachen der Kunst- und Kulturschaffenden, der Kriminalisierung der Akteure des Sports oder der 2,2 Mio. Mitglieder der SED, von denen meiner Meinung nach die übergroße Zahl zur Republik stand.

Den Medien darf man nicht trauen, wenn ohne jeden Nachweis persönlicher Schuld Tausende zu "Tätern" erklärt werden. Gleichzeitig mutieren Jene zu Opfern, die sich gegen das Völker- und Kriegsrecht und die Strafgesetze eines  souveränen Staates vergangen hatten. Hinzu kommt, dass es heute zur Staatsräson gehört, ohne UN-Mandate Völker zu überfallen, die Abschlachtung Hunderttausender Zivilisten als Kollateralschäden zu bezeichnen und an die schlimmsten Unterdrücker moderne Waffen zu liefern. Man lese Scholl-Latour "Die Angst des weißen Mannes" und "Der Fluch der bösen Tat" – beides Bestseller zur Kritik an der Politik des Westens gegenüber der „dritten Welt“.

Wie viele von uns sind auch wegen ihrer Existenz so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass man die großen Fragen unserer Zeit gar nicht mehr richtig wahrnimmt und demzufolge wenig nach außen wirkt. Wie viele bekommen gar nicht mit, dass Deutschland im Einklang mit den USA weltweit eine ganz miese Rolle spielt und sich jetzt Ventile von der dritten Welt in unsere Richtung öffnen. Die unterdrückten Völker erkennen langsam, wie wir leben und wissen, dass ihr Elend mit unserer Politik und unserem Reichtum zusammenhängt.

Ich denke, dass wenn ein nur kleiner Kreis von uns mit diesen und ähnlichen Erkenntnissen und Erfahrungen allein bleibt, werden wir unserer Verantwortung als Menschen nicht gerecht. Allzu oft agieren wir nur unter uns und stehen einer Masse von Gleichgültigen, Verleiteten und Verblendeten gegenüber, die uns auch noch als ewig Gestrige belächelt. Wir sollten mehr und mehr mit Jenen ins Gespräch kommen, die Ihr Auskommen in der DDR hatten, die sich nicht einfach zu Opfern machen lassen, die nicht der Illusion unterlagen, dass nur sie selbst etwas für unseren Staat getan haben. Unzählige sind bei uns von Armmut bedroht oder leben bereits unter derartigen Bedingungen, wie es sie vorher nicht gab. Ein Teil unserer Kinder und Enkel macht bereits heute diese bitteren Erfahrungen.  

Ich meine, es ist zuwenig getan, wenn wir unter uns nur zustimmend nicken, wenn es gegen die Politik der Oberen geht. Es reicht nicht zu wissen, dass von Ramstein die Mordmaschinen der Amis gesteuert werden, wenn Deutschland Überflugrechte für Bomber gewährte, die in den Agressionskriegen der USA und NATO Hunderttausende von Zivilisten töteten, es reicht nicht zu wissen, dass die Waffenlobby in Deutschland ihr Geschäft mit der Erfüllung von Aufträgen und der Erhaltung von Arbeitsplätzen bemäntelt. Kräfte aus der dritten Welt schlagen bereits mit der Faust an unsere Tür und wir verschließen die Augen davor, wo die tatsächlichen Ursachen für Angriffe auf uns und den Terror liegen. 

Wir müssen hier und dort noch etwas mehr tun.

Kamerad Rainer Mundt

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