Gasversorger Uniper: In Deutschland droht Gasmangellage
Deutschland droht im weiteren Verlauf des Winters eine Gasmangellage. Der staatliche Energiehändler Uniper sieht die Gasversorgung hierzulande nicht garantiert. Darüber berichtete Apollo News am Montag. Demnach sei laut Aussage von Uniper die Versorgung im Moment noch gewährleistet. Aber möglicherweise könnte es in kurzer Zeit zu rationierten Gaszuteilungen kommen.
Dies sei eine Folge der Rahmenbedingungen in der Gaswirtschaft. Aufgrund derer gebe es zurzeit keine "Marktanreize" zur Speicherbefüllung, schreibt Apollo News. Mit anderen Worten: Im Moment lohnen sich der Einkauf und das weitere Einspeichern von Gas nicht. Das liege an den Preisdifferenzen zwischen den einzelnen Jahreszeiten – und an der staatlichen Regulierung mit monatlichen Füllstandszielen, fasste der Autor die Problematik zusammen.
"Uniper fordert daher die Bundesregierung auf, Rahmenbedingungen in der Gaswirtschaft 'verlässlich und zukunftsfest zu gestalten und verbindlich zu setzen'. Es brauche Marktanreize zur Speicherbefüllung. Aktuell lohne sich das Einspeichern für die Betreiber nicht."
In den Vorausberechnungen hätten die Gasversorger für den 31. Januar einen Gasspeicherfüllstand von 41 Prozent berechnet, erklärte der Energieexperte Stefan Spiegelsberger im Interview (ab Minute 6.15) gegenüber Epoch Times am 26. Januar. Stattdessen hätten wir aber Stand 25. Januar nur noch einen Füllstand von durchschnittlich 38 Prozent der Gasspeicher in Deutschland.
Bei kaltem Wetter würde der Gasvorrat pro Tag um rund 1,3 Prozent sinken. Da man ab einem Füllstand von 20 Prozent aber kaum noch Gas aus den Speichern entnehmen könne, könne sich ja nun jeder selbst ausrechnen, so Spiegelsberger, wie lange der Vorrat bei einem anhaltend kalten Winter noch reiche.
Bereits in wenigen Tagen, im Februar, könne es sein, dass die Bundesregierung die Drosselung des Gases für die Industrie anordnet – "entweder weil Gas zu kaufen unwirtschaftlich teuer wird oder weil die Bundesregierung zum Schutz privater Haushalte Abschaltungen anordnet". Nach der aktuellen Gesetzeslage seien das Heizen von Wohnungen und die Versorgung von medizinischen Einrichtungen rechtlich besonders geschützt.
Die Uniper SE ist eine börsennotierte Gesellschaft und wirtschaftet privatwirtschaftlich und gewinnorientiert. Das Unternehmen handelt mit Energie und betreibt Gas-, Kern- und Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung. Das Unternehmen gehört zu 99 Prozent dem Bund. Als börsennotierte Gesellschaft ist der Konzern vor allem den Aktionären verpflichtet.
Kälte lässt Gasverbrauch steigen – Spekulanten wetten auf steigende Preise
Der Winter hält weite Teile Deutschlands fest im Griff. Mit der Kälte steigt der Gasverbrauch. Die deutschen Gasspeicher waren am 15. Januar noch zu 43,6 Prozent gefüllt ‒ deutlich weniger als im langjährigen Schnitt üblich.
Eine mögliche Gasmangellage ist jedoch nur eines der Probleme, vor denen Deutschland steht. Durch die erhöhte Nachfrage in Verbindung mit der erklärten Absicht, möglichst kein russisches Gas mehr zu beziehen, steigen die Preise an den Spotmärkten rapide an.
Die Berliner Zeitung berichtet ‒ gestützt auf Daten der Statistikbehörde Eurostat ‒, dass US-amerikanisches Flüssiggas (LNG) für die EU zeitweise doppelt so teuer ist wie russisches LNG. Die USA sind zudem der große Profiteur der Abkehr der EU und Deutschlands vom russischen Pipelinegas, das weitaus günstiger als LNG ist. Die hohen Energiepreise bleiben deshalb ein zentrales Problem der deutschen Unternehmen.
Die Klage über die hohen Energiepreise infolge der Russlandsanktionen ist nicht neu. Immer mehr Betriebe melden, dass sie nicht mehr konkurrenzfähig produzieren können.
"Wir sind bereits jetzt in einer Situation, in der die Energiepreise einen auskömmlichen Betrieb der Anlagen in der chemischen Industrie verhindern", sagt beispielsweise ein Sprecher der InfraLeuna GmbH, des Betreibers des Chemieparks Leuna in Sachsen-Anhalt.
Zu erwarten ist allerdings, dass aufgrund der erhöhten Nachfrage Spekulanten auf den Zug aufspringen, auf steigende Nachfrage wetten und so den Preis weiter nach oben treiben. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. So stieg in der vergangenen Woche an der Börse in Amsterdam der richtungweisende Terminkontrakt TTF für europäisches Erdgas zur Auslieferung in einem Monat am Freitagnachmittag um 25 Prozent an. Mittelfristig wird sich das auch auf die Preise für die Endverbraucher niederschlagen.