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Trumps Fünf-Minuten-Krieg gegen Venezuela

2026-01-04 00:13
von Thomas

Lange hatte sich der US-amerikanische Militärschlag gegen das chavistische Venezuela angekündigt – so lange, dass er zuletzt dann doch wieder plötzlich kam. Dass Präsident Maduro bei seinem Neujahrsinterview einen versöhnlichen Ton gegenüber den USA anschlug (in der Presse wurde das Bild eines Olivenzweigs gerne verwendet), zu Zugeständnissen bereit war und US-amerikanischen Firmen den Zugang zu den venezolanischen Ölquellen anbot (war doch die Verstaatlichung der Ölquellen unter Chavez in den 2000er Jahren einer der Hauptgründe für den Konflikt mit den USA), muss als Akt der Verzweiflung gewertet werden. Maduro wird gespürt haben, dass es jetzt ernst wird. Genutzt hat ihm sein Kompromissangebot nichts mehr. Bei einer US-amerikanischen Militäroperation wurde Nicolás Maduro verhaftet (oder besser gesagt: entführt) und auf US-amerikanisches Territorium gebracht. Er ist damit aus dem Spiel. In den USA wird ihm der Prozess gemacht werden. Die Frage ist nur noch, ob er sich würdevoll verhalten oder als zur Schau gestellter bußfertiger Ex-Diktator andere ans Messer liefern wird.

Also lassen wir Maduro beiseite und beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen dieses Coups auf Venezuela und die Geopolitik, insbesondere auf Russland, Deutschland sowie auf weitere "Schurkenstaaten", die in Gefahr sind, Opfer einer US-amerikanischen Aggression zu werden.

Die Frage stellt sich, ob die USA in Caracas auch einen Regime Change durchführen werden. Die logische Folge wäre es eigentlich. Trump macht ungern halbe Sachen. Als Kandidat steht in Spanien schon der Ex-Diplomat Edmundo González Urrutia bereit, den die USA bereits als legitimen Präsidenten Venezuelas anerkannt haben. Moralische Autorität gegenüber der Weltöffentlichkeit könnte einer Regierung González die Unterstützung der Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado verleihen. Im Gegensatz zu dem weitgehend unbekannten und wenig charismatischen González kann Machado von ihrer weltweiten Bekanntheit und dem Glanz ihres Status als Friedensnobelpreisträgerin zehren. Allerdings darf dieser Machtwechsel nicht allzu lange dauern. Trump ist für seine Ungeduld bekannt, und die US-Wähler goutieren es nicht, wenn ein Kampfeinsatz allzu lange dauert (er hatte seinen Wählern ja eigentlich die Beendigung des Ukraine-Krieges sowie den Verzicht auf neue Kriege versprochen). Bilder von GIs, die in Straßenkämpfe in Caracas verwickelt sind, wären das Letzte, was Trump vor den Wahlen zum Repräsentantenhaus im November 2026 brauchen könnte. Allerdings ist es bis dahin auch noch eine Weile hin.

Entscheidend wird jetzt sein, ob die Vizepräsidentin Venezuelas und mutmaßliche Maduro-Nachfolgerin Delcy Rodríguez die Kraft haben wird, das Land zu stabilisieren. Militärisch dürften die Flugabwehr des Landes sowie die venezolanische Luftwaffe durch die US-amerikanischen Enthauptungsschläge weitgehend ausgeschaltet worden sein. Aber González und Machado sind noch nicht an der Macht. Und entgegen anderslautender Gerüchte ist auch noch Vladimir Padrino López, der venezolanische Verteidigungsminister, am Leben. Auch der Innenminister Diosdado Cabello ist noch auf freiem Fuß. Sollten es die US-Amerikaner auch auf diese beiden abgesehen haben, ist ihnen die Attacke jedenfalls misslungen; beide sind noch handlungsfähig.

Vizepräsidentin Rodríguez fordert von den USA Maduros Freilassung

Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez äußerte sich in einer Fernsehansprachean die Nation zur Lage des Landes nach der US-Intervention und Entführung von Präsident Nicolás Maduro. Entgegen der Behauptung von US-Präsident Donald Trump, sie habe sich in einem Telefonat mit US-Außenminister Marco Rubio zur Zusammenarbeit mit den USA bereit erklärt, betonte Rodríguez, es gebe nur einen Präsidenten Venezuelas, und dessen Name sei Nicolás Maduro Moros. Rodríguez besteht also weiterhin auf der Legitimität des von US-Soldaten entführten und nach New York verbrachten Maduro.

Die venezolanischen Behörden bestehen auf der sofortigen Freilassung Maduros und seiner Gemahlin, so die Erklärung von Rodríguez. Bezüglich der Ansprüche von US-Präsident Trump auf den Ölreichtum Venezuelas entgegnete Vizepräsidentin Rodríguez, die Ölquellen gehörten dem Volk. Die Führung Venezuelas werde die natürlichen Ressourcen des Landes zu schützen wissen.

Trump:
 

Zwischenzeitlich hatte es geheißen, Rodríguez halte sich in Russland auf. Dies ist jedoch nicht der Fall. Mittlerweile wurde bekannt, dass Rodríguez an einem geheimen Ort ein Treffen des Nationalen Sicherheitsrates einberufen hat, um das weitere Vorgehen zu koordinieren.

In einer Stellungnahme bekundete Rodríguez des Weiteren, dass Regierungen aus aller Welt schockiert darüber seien, wie mit der Bolivarischen Republik Venezuela umgegangen werde. Sie sprach davon, dass dieses Vorgehen "eine zionistische Färbung" habe.

Die Vizepräsidentin bezog sich in ihrer Ansprache auf ein Zitat des südamerikanischen Freiheitskämpfers Simón Bolívar aus dem Jamaika-Brief, in dem es sinngemäß heißt: Der Schleier ist zerrissen, wir haben das Licht bereits gesehen, und sie wollen uns in die Dunkelheit zurückzerren. Die Ketten sind zerbrochen, wir sind bereits frei gewesen, und unsere Feinde haben vor, uns erneut zu versklaven.

Wenn sich Venezuela und das venezolanische Volk über eine Sache im Klaren seien, so Rodríguez weiter, dann darüber, dass sie niemals mehr Sklaven sein würden. Rodríguez: "Wir werden niemals die Kolonie irgendeines Großreiches sein."

Im Anschluss an die Rede verkündete die Vizepräsidentin die Mobilisierung ganz Venezuelas und präsentierte in einer roten Mappe ein entsprechendes Dekret, das von Präsident Maduro bereits unterzeichnet worden sei. Rodríguez:

"Wir haben alle unsere militärischen und zivilen Kräfte aktiviert, um das Heimatland zu verteidigen."

Der US-Angriff auf Venezuela sei "ein schrecklicher Schandfleck" in den bilateralen Beziehungen beider Länder. Rodríguez sprach von einem Verstoß gegen die UN-Charta. Rodríguez warnte auch andere Länder: Dass brutale Gewalt angewendet werde, um das Rad des Volkes zu beugen, könne heute jedem Volk widerfahren.

Zugleich betonte sie, dass Venezuela zu internationalen Beziehungen auf der Basis von Respekt, zwischenstaatlicher Legalität und den venezolanischen Gesetzen bereit sei. Präsident Maduro habe noch vor zwei Tagen den USA die Hand zur Zusammenarbeit ausgestreckt. Die Militäraktion der Vereinigten Staaten sei unter falschen Vorwänden vonstattengegangen – in Wirklichkeit gehe es um die Aneignung der natürlichen Ressourcen des Landes mittels eines Regime Changes.

Des Weiteren rief Rodríguez das Land zu Ruhe und Geschlossenheit auf. An der Sitzung des Nationalen Verteidigungsrates nahmen außer Rodríguez auch ihr Bruder Jorge Rodríguez, der in Venezuela als Parlamentspräsident der Nationalversammlung fungiert, der am frühen Morgen schon totgesagte Verteidigungsminister Vladimir Padrino López, Innenminister Diosdado Cabello sowie Außenminister Yván Eduardo Gil Pinto teil.

Padrino López und Cabello gelten als Rivalen um die Macht, sodass ihr gemeinsamer Auftritt ein Indiz dafür sein könnte, dass es Rodríguez gelungen ist, die verbliebene venezolanische Führungsriege unter ihrer Leitung zu einen.

Rubio: "Wie werden abwarten"

Inzwischen liegt die Reaktion von US-Außenminister Marco Rubio auf die Stellungnahme Rodríguez' vor. Er erklärte der New York Times, dass er sich ein Urteil über die Äußerungen der venezolanischen Vizepräsidentin vorbehält, die eine Zusammenarbeit mit Washington ablehnt.

"Wir werden unsere Entscheidungen auf der Grundlage ihrer Handlungen und Taten in den kommenden Tagen und Wochen treffen", sagte er. Die USA erwarten, dass die venezolanische Regierung, die das Land offenbar nach wie vor kontrolliert, sich dem Druck beugt und vor allem US-Forderungen nach Übergabe wichtiger Ölfelder zustimmen wird.

Zuvor hatte Trump mitgeteilt, er werde Venezuela mit einer Gruppe regieren und die Ölinfrastruktur wiederaufbauen. "Wir werden Erdöl exportieren, und wir werden riesige finanzielle Vorteile bekommen", so Trump. Die USA werden Venezuela dazu bringen, US-Ölfirmen zu entschädigen, fügte er hinzu. Ihm zufolge habe Vizepräsidentin Rodríguez im Gespräch mit Rubio den US-Forderungen bereits zugestimmt. "Wir werden alles tun, was Sie brauchen", soll sie laut Trump gesagt haben.

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