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USA verlassen Deutschland – aber nicht Europa

2026-05-05 12:22
von Thomas

 

Die von Trump angekündigte Kürzung des US-amerikanischen Kontingents in Deutschland hat viel tiefere Gründe, als der gegenwärtige "Unmut" des US-Präsidenten über die NATO. De facto ist das eine Fortsetzung der langfristigen US-amerikanischen Zweiparteien-Politik, die auf eine Reduzierung der militärischen Präsenz der USA in Europa zugunsten der Verlagerung in die Indopazifik-Region.

Deutschland ist historisch das Hauptgebiet für die Stationierung der US-Truppen in Europa: Dort dienen etwa 38.000 der insgesamt 80.000 Soldaten, die in Europa stationiert sind. Auf Platz zwei liegen Italien und Großbritannien mit jeweils 13.000 und 10.000 US-Militärs. Spanien (4.000) und die Türkei (2.000) schließen die Top-5 ab.

Betrachtet man die Zusammensetzung der in Europa, darunter in Deutschland, stationierten Verbände, wird deutlich, dass es dort gar nicht so viele Kampfeinheiten gibt. Den Großteil der in Europa stationierten US-Verbände stellen diverse Versorgungs- und Spezialtruppen dar: Aufklärungseinheiten, Ingenieurstruppen, Truppen für Transport, Wartung, Ausbildung und so weiter. Im Grunde ist das eine Infrastruktur, die bei Bedarf eine schnelle Verstärkung des Truppenverbands ermöglicht, etwa durch die Verlegung des 3. Panzerkorps der USA.

Doch in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre zwang die Eskalation zwischen Russland und der NATO die USA nicht nur, die Reduzierung ihrer Verbände in Europa zu stoppen, sondern sie sogar aufzustocken – vor allem durch Stationierung von Truppen bei multinationalen Verbänden in Osteuropa. Und wenn man vermuten sollte, wohin die aus Deutschland verlegten Truppen gehen könnten, dürfte Polen durchaus zu den Zielländern gehören. Welche Verbände konkret verlegt werden, ist eine andere Frage. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden ebenfalls zusätzliche Versorgungseinheiten nach Polen verlegt, um dort bei Bedarf Kampftruppen aufzustellen. Die eigentlichen Kampftruppen werden aber wahrscheinlich nach Asien verlegt werden – ob in den Nahen oder in den Fernen Osten hängt davon ab, ob Trump die Kampfhandlungen gegen Iran wiederaufnehmen will oder nicht.

US-Truppenabzug betrifft das bayerische Vilseck

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) will das US-Kriegsministerium die sogenannte Stryker-Brigade (2nd Cavalry Regiment) vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Nähe des oberpfälzischen Vilseck abziehen. Der BR bezieht sich dabei auf Informationen aus Kreisen der US-Armee.

Es handelt sich bei Grafenwöhr um den größten Truppenübungsplatz der US-Armee außerhalb der Vereinigten Staaten. Mit den Soldaten werden auch deren Familienangehörige die Gegend verlassen. Und dies innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Ganz geschlossen wird der Standort jedoch nicht: Bis zu 8000 GIs werden dort verbleiben.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Thomas Erndl, erklärt die Wahl von Vilseck für den Truppenabzug damit, dass die US-Soldaten dort nur üben würden. Andere Standorte – wie etwa Ramstein – seien für die US-amerikanische Machtposition viel bedeutender.

Bereits im Jahr 2020, während der ersten Amtszeit von Donald Trump, war die Rede davon, die Anzahl der in der Oberpfalz stationierten US-Truppen zu reduzieren. Trumps Amtsnachfolger Joe Biden ließ den Abzug dann erst einmal stoppen. Sollten die 5000 Mann aus Grafenwöhr abgezogen werden, dürften immer noch über 30.000 US-Soldaten auf deutschem Boden stationiert sein.

Für Vilsecks frisch gewählten neuen Bürgermeister Thorsten Grädler vom Einheitsblock Freie Wählerschaft ist der Truppenabzug eine schwierige Situation gleich zu Amtsantritt. Gegenüber dem BR gestand der oberste Würdenträger der 6500-Einwohner-Stadt ein: "Also, das trifft uns hart". Und das nicht nur auf emotionaler Ebene: Die Gemeinde ist wirtschaftlich stark abhängig von der Stationierung der US-Soldaten und ihrer Familien, ein Abzug könnte sie hart treffen.

Ganz hat Grädler aber die Hoffnung auf ein Umschwenken des Pentagon noch nicht aufgegeben: "Da müssen wir jetzt alles Menschenmögliche in die Wege leiten, dass wir es vielleicht noch umschwenken können", erklärte der Rathaus-Chef.

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